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Zwischen RISE, GROW und Ariba: Die ungelöste Lücke im strategischen SAP-Einkauf

26. November 2025 ・ 5 Minuten Lesezeit
S/4HANA,  Strategischer Einkauf

Die Cloud-Transformation mit S/4HANA, RISE with SAP und GROW with SAP ist für viele Unternehmen ein zentrales Modernisierungsprojekt und verändert damit auch die Rahmenbedingungen für den Einkauf in SAP. Beide Bundles bringen das ERP in die Cloud, standardisieren Prozesse und schaffen eine stabile technologische Basis für den operativen Einkauf – Bestellungen, Wareneingänge, Rechnungen, Stammdaten.

Doch der strategische Einkauf bleibt mit seinen Sourcing-Prozessen hierbei außen vor. Die Folge: Zusätzliche Integrationsaufwände und unnötig komplexe Prozessketten, obwohl die Cloud-Modernisierung eigentlich Vereinfachung verspricht.

Was RISE SAP und GROW SAP tatsächlich liefern – und was nicht

RISE with SAP und GROW with SAP verfolgen beide das gleiche Ziel: Unternehmen schneller, sauberer und berechenbarer in die Cloud zu bringen. Die Bausteine unterscheiden sich, die Logik dahinter nicht: Der ERP-Kern wird modernisiert, nicht erweitert.

👉 Im Rahmen einer SAP RISE Migration wird die S/4HANA Cloud Private Edition bereitgestellt – inklusive Infrastruktur, Betrieb, Business Process Intelligence und BTP-Optionen für Integrationen oder Erweiterungen. Es ist der Transformationspfad für Unternehmen mit gewachsenen Landschaften, hohem Integrationsbedarf und individuellem Prozess-Setup.

👉 GROW SAP bringt die Public Cloud mit. Standardisiert, vorkonfiguriert, schnell einzuführen – für Organisationen, die bewusst auf enge Standards setzen und weniger Individualisierung brauchen.

Beide Cloud-Bundles decken die operativen Einkaufsprozesse sauber ab: Bestellabwicklung, Wareneingänge, Rechnungsprüfung und Stammdatenlogik. Was jedoch nicht enthalten ist,
sind Funktionen für RFX, Ausschreibungen, Angebotsvergleiche oder Vergaben. Diese Prozesse liegen strukturell außerhalb von S/4HANA – unabhängig davon, welches Bundle gewählt wird.

An dieser Stelle entsteht die erste Lücke:
RISE und GROW modernisieren das Fundament, aber nicht den Teil des Einkaufs, der über Preise, Wettbewerb und Vergaben entscheidet.

Ariba im Kontext von SAP RISE und GROW

Wenn Unternehmen ihre Einkaufsprozesse im SAP-Umfeld betrachten, fällt der Blick schnell auf Ariba. Sowohl „RISE with SAP“ als auch „GROW with SAP“ bringen Teile des Ariba-Ökosystems mit – aber ausschließlich im Bereich Buying bzw. im SAP Business Network.

Konkret bedeutet das:

Das unterstützt den operativen Einkauf, ist aber funktional klar begrenzt. Strategische Sourcing-Funktionen sind damit nicht abgedeckt. RFX-Prozesse bleiben damit außerhalb von S/4HANA und außerhalb des im Bundle enthaltenen Ariba-Umfangs.

Um diese Lücke zu schließen, müssen Unternehmen zusätzliche Ariba-Module separat lizenzieren, zum Beispiel: Ariba Sourcing (RFx, eAuctions), Ariba Contracts (CLM) oder Ariba Supplier Lifecycle & Performance (SLP).

Diese Module laufen als eigene Cloud-Lösungen, mit separaten Lizenzen, eigener Implementierung und eigener Prozesslogik.

S/4 HANA im SAP-Einkauf:

Fokus Procure to pay
Bedarf & Bestellung: BANF, Genehmigungen, Bestellungen

Wareneingang & Services: Wareneingang, MM-SRV, Lean Services

Rechnungsprüfung: Dreifachabgleich, MIRO

Stammdaten: Lieferanten, Materialien/Services, Konditionen

Operatives Buying (im Bundle): Ariba Buying Light, SAP Business Network
nicht abgedeckt
Außerhalb von S/4HANA:

Strategisches & taktisches Sourcing
RFx-Prozesse: Ausschreibungen, Angebote, Angebotsvergleiche

Bewertungen & Vergaben: Bewertungsmatrizen, Vergabeentscheidungen

Lieferanteninteraktion: Angebotsabgabe, Rückfragen, Portallogik

Projekt-/Dienstleistungssourcing: mehrstufige LVs, GAEB-nahe Strukturen

Erweiterte Funktionen: E-Auctions, Supplier Lifecycle, CLM, taktisches Sourcing

RFX- und Vergabeprozesse vollständig im SAP-Kontext abbilden – ohne zusätzliche Plattformlogik. FUTURA verankert strategisches Sourcing SAP-nativ direkt in S/4HANA.

Was passiert, wenn Sourcing nicht im SAP-Kern läuft

Wenn operative Beschaffung im S/4HANA-Kern läuft, strategisches Sourcing aber in separaten Modulen oder Tools stattfindet, entstehen Brüche – fachlich, technisch und organisatorisch. Die Effekte zeigen sich an mehreren Stellen sehr deutlich.

⚠️ Geteilte Daten, geteilte Wahrheit

Bestellungen im ERP, Angebote und Vergaben in Ariba/Excel. Ergebnis: kein durchgängiger Blick, schwaches Reporting, unsaubere Entscheidungsgrundlagen.

⚠️ Integrationsaufwand statt Cloud-Simplicity

Trotz RISE/GROW bedeutet jedes angebundene Sourcing-Tool zusätzliche Schnittstellen, Mapping und Governance. Die Cloud wird hier nicht einfacher, sondern technischer.

⚠️ Medienbrüche im Arbeitsalltag

Wechsel zwischen SAP, Ariba, Excel und E-Mail. Angebotslisten exportieren, manuell vergleichen, alles irgendwo ablegen. Die kritischsten Schritte laufen offline.

⚠️ Lücken in Governance & Auditfähigkeit

Vergaben stehen nicht in der SAP-Belegkette. Das erschwert Nachweise, Prüfungen und erzeugt operative Risiken – obwohl der ERP-Kern sauber im Standard läuft.

⚠️ Geringere Wirkung der Cloud-Transformation

Im P2P-Prozess modern, im RFx-Prozess analog. RISE/GROW liefern das Fundament – aber im Sourcing-Alltag bleibt Excel eine feste Größe.

Fazit: Die Cloud-Modernisierung erreicht den Einkauf nur zur Hälfte

RISE und GROW schaffen eine moderne ERP-Basis, standardisieren Prozesse und bringen Stabilität in den operativen Einkauf. Doch im strategischen und taktischen Sourcing bleibt eine klar erkennbare Lücke bestehen. Die vorgelagerten Prozesse, in denen Wettbewerb, Transparenz und Vergaben entstehen, liegen weiterhin außerhalb des SAP-Kerns – unabhängig davon, ob ein Unternehmen Private oder Public Cloud nutzt.

Genau deshalb stehen Organisationen am Ende der Transformation vor einer einfachen, aber grundsätzlichen Entscheidung: Wie schließen wir die funktionale Lücke im Sourcing?

In der Praxis gibt es heute vier Wege:

1️⃣ Ariba-Module separat lizenzieren
→ vollständige Sourcing-Funktionalität innerhalb des Ariba-Portfolios, aber zusätzliche Cloud-Lösung, eigene Implementierung und Integrationsaufwand.

2️⃣ Sourcing weiterhin manuell ausführen
→ Excel, E-Mail und unstrukturierte Dokumente; niedrigschwellig, aber ohne Transparenz, ohne Governance und nicht revisionssicher.

3️⃣ Drittlösungen oder Procurement-Suiten einsetzen
→ dedizierte Sourcing-Tools oder umfassendere Suites; funktional stark, aber parallel laufende Plattform, eigenes Datenmodell und zusätzliche Schnittstellen zum ERP.

4️⃣ SAP-native Ergänzungen nutzen
→ RFx-Prozesse direkt im S/4HANA-Datenmodell und in Verbindung vorhandener ERP-Funktionalitäten (keine zusätzliche Plattformwelt), wie etwa SAP-native RFX-Ansätze wie FUTURA.

Dieser Weg empfiehlt sich für Unternehmen, die nach der RISE/GROW-Migration bewusst den Clean-Core-Ansatz verfolgen und vermeiden wollen, zusätzliche Plattformen, Schnittstellen und Datenkopien aufzubauen.

Besonders geeignet für Einkaufsorganisationen, die:

👉 RFx-Prozesse vollständig in SAP integrieren wollen,

👉 Governance, Auditfähigkeit und Datendurchgängigkeit priorisieren,

👉 eine überschaubare Toollandschaft anstreben,

👉 operative und strategische Prozesse stärker verzahnen möchten,

👉 Services und Bauleistungen strukturiert und SAP-konform ausschreiben müssen.

Klar ist: Die Entscheidung über das Sourcing-Setup wird nicht in RISE oder GROW getroffen – sie beginnt erst nach der ERP-Modernisierung.

Key Take-Aways

  • RISE und GROW modernisieren den ERP-Kern – strategisches Sourcing bleibt außen vor. RFx- und Vergabeprozesse sind nicht Teil des Lieferumfangs und laufen weiterhin außerhalb von S/4HANA.
  • Ariba im Bundle deckt nur operatives Buying ab. Für strategisches Sourcing müssen zusätzliche Ariba-Module lizenziert und integriert werden.
  • Zwei Systemwelten statt durchgängiger Prozesse. Schnittstellen, Datenkopien und Medienbrüche erhöhen Komplexität und mindern die Wirkung der Cloud-Transformation.
  • Unternehmen müssen nach der ERP-Migration entscheiden, wo Sourcing künftig verortet sein soll. Ariba erweitern, manuell weitermachen, Dritttools nutzen oder SAP-native Alternativen wählen.

Von Parallelwelten zu einem klaren Sourcing-Flow.

Gehen Sie den nächsten Schritt in der Sourcing-Digitalisierung mit S/4HANA – digitalisieren Sie RFx-Prozesse direkt in Ihrer SAP-Architektur.

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