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Sourcing-Prozesse im Einkauf: Wo Fragmentierung zur Bremse wird

18. Mai 2026 ・ 9 Minuten Lesezeit
Digitalisierung Einkauf,  ERP-Integration,  Markttrend

Im Vorfeld der diesjährigen BME-eLösungstage 2026 zeigt sich: Viele Einkaufsorganisationen kämpfen mit fragmentierten Systemlandschaften. Ein Artikel in der Beschaffung aktuell 05/2026 beschreibt den Status quo des Digital-Procurement-Ökosystems nüchtern: Fehlende Datenqualität, heterogene Systeme und Tool-Stacks ohne Durchgängigkeit bremsen die digitale Transformation im Einkauf. Unsere These: Die Lösung liegt nicht bei der Tool-Auswahl, sondern bei der Architektur.

Key Take-Aways

  • Best-of-Breed-Strategien funktionieren dort, wo ein System die Prozessführung übernimmt. Im Einkauf ist das ERP bzw. S/4HANA.
  • Das Kernproblem: Das ERP wird umgangen, obwohl es die Daten und die Prozessführung haben sollte.
  • SAP-native Sourcing-Ansätze vermeiden doppelte Datenmodelle und halten die Prozessführung in S/4HANA.

Der fehlende Schritt in die Breite — was der Markt gerade beobachtet

Der Artikel „Einkauf zwischen KI-Euphorie und Umsetzungsrealität in Beschaffung aktuell beschreibt sehr präzise, woran viele Digitalisierungsinitiativen im Einkauf derzeit stoßen: Nicht die Technologie fehlt, sondern die operative Durchgängigkeit. Im Umfeld der BME-eLösungstage verdichten sich dabei drei Beobachtungen zu einem klaren Marktbild.

Diese drei Beobachtungen gelten für den Einkauf insgesamt. Sie gelten für Sourcing aber in besonderem Maße. In SAP-Umgebungen zeigt sich das besonders deutlich: Wer heute Ausschreibungen, Vergaben und Lieferantenbewertungen digitalisiert hat, betreibt diese Prozesse fast immer außerhalb des ERP.

Bedarf entsteht in SAP, wandert in eine Sourcing-Plattform, das Ergebnis fließt zurück nach SAP. Die Schnittstelle ist da. Die Durchgängigkeit ist es nicht.

Der Tool-Flickenteppich — und wie er entsteht

Der Begriff klingt diffus, das Phänomen lässt sich präzise beschreiben: Einzelne Prozessschritte laufen in spezialisierten Systemen, ohne gemeinsame Datenbasis oder Prozesslogik. Sourcing in System A, Lieferantenmanagement in System B, operative Beschaffung im ERP. Schnittstellen verbinden die Systeme — aber nicht den Prozess. Daten werden synchronisiert, gemappt, manchmal manuell nachgepflegt. Der Prozess läuft nicht durch, er springt.

Wie entsteht der Tool-Fleckenteppich?
Selten durch schlechte Entscheidungen und meistens durch rationale Einzelentscheidungen über mehrere Jahre. Eine Sourcing-Plattform für strategische Ausschreibungen hier, ein Lieferantenportal dort, ein Spend-Analytics-Tool für die Geschäftsführung. Jede Entscheidung war sinnvoll. Die Summe erzeugt eine Landschaft, in der die einzelnen Komponenten stark sind — und der Gesamtprozess fragmentiert ist.

Die Konsequenz: Jeder zusätzliche Prozess muss nicht nur funktional erweitert werden, sondern auch über die Schnittstellen-Architektur. Datenmapping muss erweitert werden, Synchronisationslogiken angepasst, Stammdatenpflege koordiniert. Die Komplexität wächst nicht linear mit dem Geschäft, sondern mit den Verbindungen zwischen den Systemen.

Skalierung wird zum Integrationsproblem.

Best-of-Breed im Einkauf — eine Frage der Prozessführung

Der Begriff für die Strategie hinter dieser Landschaft heißt Best-of-Breed: Pro Fachbereich die spezialisierte Lösung statt der universellen Komplettlösung. Die Idee ist alt und in vielen Bereichen erfolgreich — und hat auch im Einkauf reale Stärken. Aber sie funktionieren nur unter einer Voraussetzung: Ein System muss die Prozessführung übernehmen.

Stärken von Best-of-BreedSchwächen ohne Prozessführung
Funktionale Tiefe – Spezialisierte Anbieter sind in ihrem Bereich oft tiefer und innovativer als Suite-ModuleKeine zentrale Prozessführung – Kein System übernimmt die End-to-End-Verantwortung
Schnelle Implementierung – Einzelne Lösungen lassen sich in Wochen statt Monaten einführenSkalierung als Integrationsproblem – Jede Erweiterung erfordert Schnittstellenanpassungen
Höhere Nutzerakzeptanz – Spezialisierte UX schlägt generalistische BedienoberflächenDoppelte Datenhaltung – Stammdaten werden in mehreren Systemen parallel gepflegt

Dass genau das im Einkauf oft fehlt, zeigt sich in der Praxis. Die Vaillant Group, ISM-Award-Gewinner 2023 in der Kategorie „Operational Excellence“, stand 2018 vor genau diesem Problem: einer Vielzahl heterogener Prozesse und IT-Lösungen, weder IT-seitig noch im Tagesgeschäft End-to-End integriert.

Manuela Heinisch, Head of Group Industrial Supply Chain Processes: „Oftmals handelt es sich bei solchen Lösungen um isolierte Systeme, die zwar sehr leistungsfähig sind, jedoch nur schwer oder mit erheblichem Aufwand in unsere bestehenden Prozesse eingebunden werden können. Wir suchen mehr nach Lösungen, die nahtlos in unsere Abläufe integriert werden können.“ (Quelle: Beschaffung aktuell 11-12/2023).

Im Einkauf existiert diese zentrale Instanz formal: Es ist das ERP. Praktisch findet aber genau der Prozess, der digitalisiert werden soll — Sourcing —, außerhalb dieser zentralen Instanz statt. Das ERP wird umgangen, obwohl es die Daten und die Prozessführung haben sollte.

Best-of-Breed ist nicht das Problem. Die fehlende Prozessführung ist es.

Procurement Suite als Alternative?

Die Frage liegt nahe: Wenn Best-of-Breed die Prozessführung nicht liefert — liefert eine Suite sie? Eine breite, integrierte Plattform würde Sourcing, Lieferantenmanagement und operative Beschaffung bündeln. Innerhalb der Plattform wäre Durchgängigkeit gegeben. Tatsächlich?

  • Vendor-Lock-in. Wer eine Suite kauft, bindet sich an einen Anbieter mit allen Konsequenzen für Roadmap, Preisgestaltung und Innovationsgeschwindigkeit. Eine spätere Migration ist aufwändig und teuer.
  • Hohe Total Cost of Ownership. Lizenzen, Implementierung, Customizing, laufender Betrieb — Suiten sind kostspielig in Anschaffung und Betrieb.
  • Trägheit bei Veränderungen. Funktionserweiterungen oder Anpassungen an neue Anforderungen brauchen in großen Plattformen länger als in fokussierten Tools.
  • Zweite Datenwelt neben dem ERP. Auch eine durchgängige Suite ersetzt nicht das ERP. Sourcing-Daten, Lieferantenstammdaten und Vertragsinformationen müssen weiterhin mit dem ERP synchronisiert werden — die operative Beschaffung läuft dort.

Die Suite löst also die Fragmentierung zwischen mehreren Tools — schafft aber neue strukturelle Abhängigkeiten und behält das Kernproblem bei: Sourcing findet weiterhin außerhalb des ERP statt.

Die Architekturfrage — warum sie der eigentliche Hebel ist

Wenn weder mehr Tools noch eine breitere Suite das Problem lösen, dann liegt die Antwort eine Ebene tiefer. Sie liegt nicht bei der Frage welches Tool, sondern bei der Frage wo der Prozess stattfindet.

In der heutigen Einkaufslandschaft sind die zentralen Daten im ERP verankert — in SAP-Umgebungen heißt das: in S/4HANA. Konkret:

Wenn Sourcing außerhalb dieses Systems stattfindet, müssen genau diese Daten in ein zweites System übertragen, dort verarbeitet und das Ergebnis zurückgespielt werden. Jede dieser Bewegungen ist eine Schnittstelle, eine Synchronisation, eine potenzielle Bruchstelle.

Wenn Sourcing direkt im SAP-Datenmodell stattfindet, entfällt das Mapping — es gibt nichts zu synchronisieren, weil es nur eine Datenbasis gibt.

SAP-native Sourcing-Integration: Der FUTURA-Ansatz

Sourcing muss dort stattfinden, wo die Daten liegen — im ERP. FUTURA Smart verfolgt diesen Architekturansatz „Sourcing im SAP-Kern“ konsequent. Strategische Beschaffungsprozesse arbeiten direkt auf den SAP Business Objects — Bestellanforderung, Bestellung, Kontrakt — und nutzen die bestehende Businesslogik von S/4HANA.

➡️ Kein zweites Datenmodell.

➡️ Keine Synchronisationsarchitektur.

➡️ Eine Erweiterung im SAP-Kern, nicht ein System daneben.

Drei konkrete Vorteile daraus:

✴️ Aus Einkaufssicht: Sourcing startet aus der Bestellanforderung, arbeitet auf vorhandenen Materialstammdaten, schreibt das Ergebnis in den vorhandenen Kontrakt. Keine Mehrfacheingabe, kein Systemwechsel.

✴️ Aus IT-Sicht: Keine Integrationsarchitektur, keine zusätzliche Plattform, kein zweites Betriebsmodell. Die Erweiterung erfolgt Clean-Core-konform über SAP-Standardmechanismen.

✴️ Aus Projektsicht: Der Rollout liegt für FUTURA Smart typisch bei 4–8 Wochen — gegenüber mehrmonatigen Integrationsprojekten bei Drittsystem-Architekturen.

SAP-native Sourcing-Integration vermeidet doppelte Datenmodelle und macht S/4HANA zur Prozessführung — ohne zusätzliche Plattform.

Fazit: Die Lösung liegt nicht im Tool — sondern in der Architektur

Der Tool-Flickenteppich im Einkauf ist real — der aktuelle Marktbericht in Beschaffung aktuell beschreibt ihn deutlich. Er lässt sich nicht mit mehr Tools lösen. Auch nicht mit einer breiteren Suite. Die Antwort liegt bei der Architektur für die Digitalisierung im Einkauf — beim Ort, wo Prozesse stattfinden.

Das hat Konsequenzen über Sourcing hinaus. Wer KI im Einkauf produktiv skalieren will, wer Datenqualität auf belastbarem Niveau halten will, wer Compliance-Anforderungen ohne wachsende Schnittstellenkomplexität erfüllen will, kommt an dieser Architekturentscheidung nicht vorbei.

Die „Lücke zwischen KI-Euphorie und Umsetzungsrealität“, so der Beitragstitel von Beschaffung aktuell , entsteht genau hier: bei fragmentierten Systemlandschaften, fehlender Durchgängigkeit, doppelter Datenhaltung. Die Skalierung scheitert nicht an der Technologie — sie scheitert an der Architektur.

Wer aus dieser Diagnose Konsequenzen ziehen will, steht vor zwei Folgefragen:

  1. Worauf muss ich bei der Auswahl einer Sourcing-Lösung konkret achten?
  2. Und was bedeutet diese Architektur-Perspektive für KI-Initiativen, die bereits geplant sind oder laufen? Das beantwortet der Blogartikel „KI im Einkauf: Wer falsch startet, skaliert seine Probleme.

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